Was ist Gestalttherapie?
Die Gestalttherapie gehört zu den humanistischen Verfahren. Sie entstand in den 1940er und 50er Jahren um Fritz Perls, Laura Perls und Paul Goodman. Ihr Menschenbild: Jeder Mensch möchte sich entfalten. Darin findet Wachstum kein Ende.
Die Grundgedanken
Im Hier und Jetzt
Verändern lässt sich nur, was gerade da ist. Deshalb beginnen wir bei dem, wie du dich in diesem Moment erlebst. Was früher entstanden ist, wird darüber zugänglich. Wir bleiben bei dem, was sich zeigt, statt es vorschnell zu deuten: im Körper, in Gedanken, im Kontakt mit dir selbst und darin, wie du Erfahrungen verarbeitest. Diese Haltung heißt in der Gestalttherapie phänomenologisch. Denn Wirklichkeit ist nicht für alle dieselbe, unser Blick schafft sie mit.
Was Gestalt bedeutet
Der Begriff stammt aus der Wahrnehmungspsychologie. Wir nehmen die Welt nicht in Einzelteilen wahr, sondern als Ganzes: Aus einzelnen Tönen wird eine Melodie, aus Strichen ein Gesicht. Fehlt ein Ton, fällt es sofort auf.
Mit Erlebnissen ist es ähnlich. Ein Streit ohne Aussprache, ein Abschied, der nie richtig stattgefunden hat, ein Satz, den du nie sagen konntest: Was unabgeschlossen bleibt, drängt weiter nach einem Ende. In der Gestalttherapie heißt das eine offene Gestalt. Sie kehrt immer wieder zurück und beschäftigt uns weiter, solange sie offen ist. Mit einem Abschluss hört das auf.
Ähnlich ist es mit Mustern: Wir reagieren automatisch, bevor wir uns entschieden haben. Diese Muster sind einmal entstanden, weil sie nötig waren, sie haben dich geschützt. Nur tragen sie heute vielleicht nicht mehr.
Das Ganze sehen
Körper, Seele und Geist werden nicht getrennt, sondern als ein Ganzes betrachtet. Was dich herführt, steht nie für sich allein. Gefühle, Erinnerungen und Körperempfindungen hängen damit zusammen. Erst gemeinsam ergeben sie ein Bild.
Dazu gehört dein Umfeld. In der Gestalttherapie heißt es Feld: Mensch und Umwelt beeinflussen sich fortwährend gegenseitig. Wie du eine Situation erlebst, hängt deshalb auch an den Bedingungen, in denen du lebst, an deiner Arbeit, deinen Beziehungen, deiner Herkunft. Damit gibt es auch mehr Stellen, an denen sich etwas verändern lässt.
Kontakt
In Beziehung zu gehen ist ein Grundbedürfnis, kein Zusatz. Wie jemand in Kontakt geht, gehört deshalb zur Arbeit dazu, nicht nur das, was erzählt wird. Am deutlichsten zeigt sich das in der Beziehung zwischen dir und mir. Daran schärft sich die Wahrnehmung für dich selbst und daraus entstehen Verständnis und Sicherheit.
Kontakt findet an Grenzen statt. Innerhalb unserer Grenzen sind wir wir selbst. Sie helfen uns, uns zu spüren. Je klarer sie sind, desto klarer wissen wir, wer wir sind.
Wie das in einer Sitzung aussieht, findest du auf der Therapie-Seite.
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